Aufgaben, Ziele und Arbeitsweise des AutismusTherapieZentrums        



Allgemeine Ziele

Da die Beseitigung der Krankheit bzw. Behinderung im Sinne einer Heilung bei Autismus kaum erwartet werden kann, besteht eine wesentliche Aufgabe der Therapie darin, die Auswirkungen der autistischen Störung soweit wie möglich zu kompensieren und optimale Entwicklungs-, Lern- und Lebensbedingungen zu schaffen.

Klientenorientierte Ziele

· Diagnostische Einschätzung der autistischen Störung, des Entwicklungsstandes und des                          Entwicklungspotentials
· Förderung der Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung
· Förderung kommunikativer Kompetenzen
· Förderung der Handlungskompentenzen
· Förderung sozialer Kompetenzen
· Förderung kognitiver Grundfunktionen als Basis für weiterführende Lernprozesse und für  das Verstehen sozialer Zusammenhänge in Ergänzung bzw. als Voraussetzung für  vorschulische, schulische und berufliche Maßnahmen
· Bearbeitung der emotionalen Problematik und Förderung der Identitätsfindung
· Bearbeitung sekundärer Verhaltensprobleme (z.B. aggressives und selbstverletzendes Verhalten)
 

Elternorientierte Ziele
· Information und Aufklärung über die autistische Störung
· Unterstützung der Familie im Umgang mit Verhaltensproblemen
· Anleitung zu autismusspezifischer Gestaltung von Kommunikations-, Lern- und  Alltags
situationen
· Entwicklung von Strategien zur Entlastung und Streßbewältigung
· Krisenintervention
· Beratung bei medizinischen Fragen und zur Wahl geeigneter Einrichtungen (Kindergarten,  Schule, Beruf, Heim)
· Ressourcenorientierte Beratung und Stärkung familiärer Kompetenzen
 

Institutionsorientierte Ziele

· Information und Aufklärung über die autistische Störung
· Verbreitung von modernen Möglichkeiten der Früherkennung und Fortschritten in der  Autismustherapie
· Unterstützung im Umgang mit Verhaltensproblemen
· Vermittlung spezifischer Methoden
· Krisenintervention
· Kooperation und Abstimmung der Förderansätze
 
 

Arbeitsweise der Therapeutischen Ambulanz

Allgemeine Prinzipien der Förderung und Behandlung autistischer Störungen

Bei einer autistischen Störung ist ein ganzheitlicher Therapie- und Förderansatz zu verfolgen, der auf die Gesamtentwicklung des autistischen Kindes, Jugendlichen oder Erwachsenen abge-stimmt ist und das Umfeld mit einbezieht. Eine isolierte Sichtweise, die z.B. nur einen Aspekt (z.B. die gestörte Sprache) hervorhebt, wird dieser tiefgreifenden Entwicklungsstörung nicht gerecht. Auch ein Vorgehen, das den autistischen Menschen isoliert betrachtet und behandelt, vernachlässigt die Bedeutung des Umfeldes und gleichzeitig die grundlegende autistische Schwierigkeit, Veränderungen auf andere Gebiete zu übertragen.
 

Erstkontakt

Nach telefonischer Anmeldung findet der Erstkontakt statt. Bestandteile dieses Erstkontaktes sind ein Gespräch mit den Eltern und eine parallel dazu stattfindende Diagnostikstunde mit dem Kind.
Ziel des Elterngespräches ist eine Erhebung der Anamnese, der Symptomatik und Erfassung der Lebenssituation anhand eines strukturierten Leitfadens. Zusätzlich werden mögliche Vorbefunde und Vorbehandlungen besprochen und Erwartungen und Bedürfnisse der Eltern abgeklärt.
In der Diagnostikstunde wird je nach Fragestellung erfasst, ob und in welchem Ausprägungsgrad eine autistische Störung vorliegt, sowie der Einsatz autismusspezifischer Methoden abgeschätzt. Die Diagnostikstunde wird videographiert und später ausgewertet.

Bei erwachsenen KlientInnen bzw. PatientInnen kann der Erstkontakt je nach Problemstellung auch ohne die Eltern/BetreuerInnen oder als gemeinsames Gespräch durchgeführt werden. Auch das weitere Vorgehen wird je nach Voraussetzungen bei Erwachsenen modifiziert. Zur Vervollständigung des Befundes wird ggf. telefonischer Kontakt mit VorbehandlerInnen und BetreuerInnen aufgenommen.
 

Auswertungsgespräch

Nach der Auswertung des Erstkontaktes wird den Eltern anhand von Videoausschnitten der Diagnostikstunde und den gängigen Diagnoseschemata (ICD-10/DSM-IV) die diagnostische
Einschätzung mitgeteilt und die daraus resultierenden Therapieempfehlungen besprochen.
Liegt eine Störung aus dem autistischen Spektrum vor und ist eine spezielle Autismus-Therapie indiziert, werden die Eltern über die Einleitung einer Therapie informiert (Anträge auf Kostenübernahme, Vorgehensweise, Therapieansätze). Falls noch keine ärztliche Abklärung und diagnostische Einschätzung stattgefunden hat, informieren wir die Eltern über entsprechende Fachstellen und teilen diesen unseren Vorbefund mit.
 

Diagnostikphase

Aufgrund der Vielschichtigkeit der autistischen Symptomatik und der Bedeutung des Umfeldes ist bei der Einleitung einer Therapie- und Fördermaßnahme eine differenzierte und ausführliche Diagnostik notwendig. In mehreren einzeldiagnostischen Stunden wird die autistische Symptomatik differenziert erfasst und ein individuelles Entwicklungsprofil erstellt. Weiterhin wird geprüft, welche autismusspezifischen Methoden zur Förderung und Therapie geeignet sind. Zur detaillierten Erfassung der Interaktion wird die gesamte Familie zu einer gemeinsamen Aktivität eingeladen, die auf Video aufgenommen und ausgewertet wird. Zur Einschätzung der häuslichen Lebenswirklichkeit und möglicher Verhaltensproblemen findet darüber hinaus ein Hausbesuch und ein Besuch im Kindergarten, Schule oder Betreuungseinrichtung statt.
 

Therapieplan und Therapievertrag

Aufgrund der Befunde der Diagnostikphase wird zusammen mit den Eltern ein Förder- und Behandlungskonzept erstellt. Darin sind u.a. die Therapieziele und Therapiemethoden, sowie der Umfang der Maßnahme und das Therapiesetting enthalten. Dieses wird in einem Therapie-vertrag festgehalten.
 

Therapie und Förderung

Die Therapie und Förderung ist auf den Einzelfall ausgerichtet und orientiert sich an der jewei-ligen Problematik des Menschen mit Autismus und seines sozialen Umfeldes, meist der Familie und der beteiligten Institutionen. In der Regel werden in Anlehnung an die
Therapieziele (s.4.) Interventionen auf folgenden drei Ebenen durchgeführt:
· Ebene der Einzeltherapie
· Ebene der Eltern
· Ebene der Institutionen
Neben der 1 bis 3 Mal wöchentlich stattfindenden Einzeltherapie werden die Eltern immer mit einbezogen. Dies kann in Form von Beratungsgesprächen oder Eltern-Kind-Stunden gesche-hen. Auch die Einbeziehung des weiteren Umfeldes erscheint meist notwendig, um die Thera-piemaßnahmen abzustimmen und ein gemeinsames Vorgehen zu entwickeln.
Die Therapie findet im Regelfall in den Räumen der Ambulanz statt.
 

Therapiemethoden

So unterschiedlich das Störungsbild sein kann, so flexibel muß auch das therapeutische Vorge-hen sein. Bisher hat noch kein einzelnes Therapieverfahren befriedende Ansätze für alle Bereiche dieser sehr komplexen Störung geliefert. Deswegen handelt es sich bei der von uns durchgeführten speziellen Autismus-Therapie um einen integrativen Ansatz, bei dem je nach Symptomatik, Lebensalter, Entwicklungsstand und Empfänglichkeit für das jeweilige Vorgehen verschiedene Verfahren, Methoden und Techniken zum Einsatz kommen.

Die eingesetzten Methoden müssen sich bei der Behandlung und Förderung autistischer Störungen als erfolgreich erwiesen haben. Dazu sollen neuere Entwicklungen aufgegriffen werden und das Therapiekonzept beständig dem jeweiligen Wissensstand angepasst werden.

In der Therapeutischen Ambulanz haben sich besonders folgende Ansätze bewährt:
Sensorische Integrations-Therapie, Verhaltenstherapie, Methoden der unterstützen Kommunikation, Sprachtherapie, Mototherapie, Musiktherapie, heilpädagogische Übungsbehandlung, Wahrnehmungsförderung nach Affolter, Spieltherapie, systemische Therapie und Therapiean-sätze, die speziell für autistische Menschen entwickelt wurden, wie z.B. das TEACCH-Programm und die Aufmerksamkeits-Interaktions-Therapie (AIT).
 

Dauer der Therapie

In der Regel ist bei der Schwere, der Vielschichtigkeit und den autismusspezifischen Änderungsschwierigkeiten eine intensive Therapie über mehrere Jahre indiziert. Das Ende der The-rapie wird frühzeitig mit allen Beteiligten abgestimmt und richtet sich nach den vereinbarten Zielen und den Entwicklungsmöglichkeiten. In jedem Fall sollen am Ende der Therapie die Betroffenen insoweit in ihren Kompetenzen gestärkt sein, dass sie unspezifischere Hilfsangebote nutzen können.

Nach Abschluss der Grundbehandlung kann es in der weiteren Entwicklung zu Situationen kommen (z.B. bei Schwellensituationen wie Pubertät, Auszug), die eine Krisenintervention oder eine Wiederaufnahme der Therapie notwendig machen.
 
 

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